Interkulturelle Orientierung und interreligiöse Öffnung in der Jugendarbeit

Fachtagung 6.-7. Februar 2023

Junge Menschen im Ruhrgebiet sind und bleiben auch in der Zukunft stark durch die Komplexität der Migrationsprozesse und durch gesellschaftlichen und religiösen Wandel geprägt. In Schulen, in Einrichtungen der Jugendsozialarbeit und in der kirchlichen Jugendarbeit zeigt sich in besonderen Maße, wie Gesellschaft sich plural verändert. Menschliche Mobilität und Migration sind wesentliche Faktoren dieser Wandlungsprozesse.

Im Rahmen dieser Fachtagung vom 6.-7. Februar 2023 möchten wir uns den Themen Willkommenskultur und Fremdenfeindlichkeit nähern und mit Begegnungen zwischen Menschen und Kulturen und der Menschenwürde auseinandersetzten. Dabei werden aktuelle wissenschaftliche Diskurse reflektiert und praxisorientierte Impulse für eine interkulturelle Orientierung und interreligiöse Öffnung in der Jugendarbeit gesetzt.

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Termin & Veranstaltungsort

Unsere Tagung findet als Präsenzveranstaltung vom
6.-7. Februar 2023
in der Jugendbildungsstätte St. Altfrid
Charlottenhofstraße 61
45219 Essen statt.

Anfahrt

Im Angebot enthalten

Euch erwarten: Fachvorträge zu aktuellen Diskursen in der Jugendarbeit, Workshops mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten, ein Markt der Möglichkeiten, Literarisches Abendprogramm und viele weitere spannende Begegnungen und Gespräche!

Programmübersicht

Fachvorträge - Montag 6. Februar 2023

Akerpunkte einer interkulturellen Öffnung und Orientierung in der Jugendarbeit

Von der Würde, dem Recht und der Chance des Anderssein

Interkulturalität ist zu einem „Zauberwort“ für solche Lösungsstrategien geworden, die sich differenzsensibel den Herausforderungen von Individualität, Pluralität und Diversität einer spätmodernen Gesellschaft stellen (wollen). Welchen Perspektivenwechsel bietet und braucht jedoch Interkulturalität, um solche Praxisoptionen zu generieren, die auf keiner multikulturellen Stufe stehen bleiben – gerade auch bei der Jugendarbeit? Der Referent meint: Der Perspektivenwechsel gründet in der Würde, dem Recht und der Chance des Anderssein.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und verwandte Abwertungsphänomene

Was das ist, welche Ursachen es gibt und was man dagegen tun kann.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit beschreibt als Sammelbegriff Vorurteile, Diskriminierung und Gewalt gegenüber Menschen, die als irgendwie „anders“ oder „fremd“ betrachtet werden. Der Vortrag beschreibt das Phänomen, lenkt den Blick auf die unterschiedlichen Perspektiven von Adressierten und Adressaten, diskutiert Herausforderungen und mögliche Ursachen und gibt am Ende Empfehlungen, wie wir gemeinsam auf Ebene von Personen und Institutionen handeln können. Gefragt ist die Bereitschaft hinzuschauen und sich auch mit eigenen Ressentiments und Hierarchievorstellungen auseinanderzusetzen.

Fachvorträge - Dienstag 7. Februar 2023

Wie können Begegnungen zwischen jungen Menschen verschiedener Religionen und Kulturen gestaltet werden?

Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Kultur und Religion: eine Chance der Selbstfindung und des Abbaus von Diskriminierung

Junge Menschen haben als eine Entwicklungsaufgabe, ihrem Leben einen Sinn zu geben. Abgrenzung zu religiös und kulturell andersartigen Menschen ist in der Phase der Selbstfindung in gewisser Weise notwendig, beinhaltet aber auch die Gefahr von Diskriminierung und Aufbau von Feindbildern. Begegnungen können dabei helfen, dass Vielfalt und Unterschiedlichkeit als  nicht bedrohlich, sondern im Gegenteil als Bereicherung erlebt werden.

Die*der Andere als Gleiche*r: Über die Notwendigkeit und die Grenzen der Anerkennung

Es gibt viele Gründe, aus denen Menschen sich in einer Gesellschaft als „anders“ erfahren und aus denen ihnen „Fremdheit“ bzw. „Andersheit“ zugeschrieben wird – u.a. kulturelle oder religiöse Zugehörigkeit, geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung. Wie gehen wir mit der Erfahrung des*der Anderen und des Anders-Seins um? Was bedeutet Anerkennung des*der Anderen – und geht das überhaupt? Welche Rolle spielt Macht im Prozess der Anerkennung – und welcher Fallstricke müssen wir uns bewusst sein oder werden, wenn wir mit „Anderen“ anerkennend umgehen wollen?

 

Workshops am Montag, 6. Februar 2023

(M1) Von den „Eigen-, Andersräumen und Räumen des Zwischen“ einer interkulturellen Orientierung und Öffnung

Kultur im Zwischen

Eine interkulturelle Öffnung und Orientierung von Räumen und Orten in Kirche und Gesellschaft erfordert eine Sensibilität mit entsprechenden Kompetenzen für das Zusammen- und Wechselspiel von „Eigen-, Andersräumen und Räumen des Zwischen“.

Der Workshop will diesem Zusammen- und Wechselspiel in den Kontexten der Jugendarbeit nachgehen.

 

 

(M2) Strukturelle Diversität

Ahmad Omeirate
 

(M3) Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus

Wie kann in der Jugendarbeit an den Bsp. Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus gute politische Bildung gelingen, um Vorurteile abzubauen und autoritären, antipluralistischen Deutungsangeboten entgegenzuwirken?
 

Désirée Galert, Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (Berlin)


Gegenwärtig stellen autoritäre Versuchungen und die Sehnsucht nach Eindeutigkeit eine große Herausforderung in der Arbeit mit Jugendlichen dar, z.B. in Form von Verschwörungsideologien. Insbesondere Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus als Phänomene der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sind hier zentral. Die Fortbildung soll für wiederkehrende Argumentationsmuster, Mechanismen, Erscheinungsformen und mediale Darstellungen sensibilisieren. Es werden anhand interaktiver Methoden Argumentationshilfen und Handlungsoptionen erarbeitet und gemeinsam reflektiert sowie Fallbeispiele aus der Arbeitspraxis diskutiert.

(M4) Interkulturelles Training- Ein Methodenworkshop für die außerschulische Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Das Erwartet dich:

  • Kurzer Input
    • Interkulturelle Kompetenz. Was bedeutet das genau?
    • Warum Kulturelle Kompetenzen für jede_n hilfreich sind?
  • ich packe meinen Methodenkoffer
    • Hier lernst du unterschiedliche Methoden kennen, wie du in deiner Arbeit mit Gruppen Interkulturelle Kompetenzen jede_s Einzelnen fördern kannst.
    • Vielseitige Methoden, sodass du dir das passende für deine Gruppe auswählen kannst.

Alle Methoden bekommst du im Anschluss zur Verfügung gestellt und kannst sie direkt in der Praxis ausprobieren

(M6) Sich zu verstehen ist gar nicht so einfach! – Barrierefreie Kommunikation in inklusiven Klassen

In der Schule begegnen Lehrer*innen immer wieder den Herausforderungen beim Thema „Inklusion und Integration“, sowohl der inklusive gemeinsame Unterricht von Schüler*innen mit und ohne Beeinträchtigungen als auch die Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher. Häufig sind hier die Sprache und das Verständnis eine erste Hürde. Kommunikation ist eben gar nicht so einfach! Der Workshop lädt dazu ein, anhand praktischer Beispiele aus der Pädagogik für Menschen mit Beeinträchtigungen, Wege hin zu einer barrierefreien Unterrichtskultur zu entdecken und eigene Erfahrungen in den Austausch zu bringen.

(M7) Praxisworkshop Religionskompetenz

Dr. Sandhya Veena Küsters

Workshops am Dienstag, 7. Februar 2023

(D1) Partizipation – gewährte Teilnahme oder echte Teilhabe? Anfragen einer „Ressourcen- und Verantwortungsgerechtigkeit“ (Zygmunt Bauman)

Kultur im Zwischen

Um Partizipation nicht nur als Teilnahme zu gewähren, sondern sie als echte Teilhabe zu realisieren, bedarf der Herstellung einer „Ressourcen- und Verantwortungsgerechtigkeit“ (Zygmunt Bauman).

Der Workshop fragt nach Realitäten und Foren dieser „Ressourcen- und Verantwortungsgerechtigkeit“ in der Jugendarbeit.

 

 

(D2) Interreligiöse Öffnung diakonischer, caritativer und sozialer Handlungsfelder

Die Kirche wird dann lern- und reformfähig, wenn sie im Namen des Evangeliums aus sich herausgeht. (Christoph Theobald)

Im Workshop werden nach einer theologischen Fundierung der Notwendigkeit interreligiöser Öffnung konkrete Schritte der Öffnung in diakonischen, caritativen und sozialen Handlungsfeldern gemeinsam erarbeitet.

(D3) Religion goes green? Über muslimischen Umweltaktivismus und seinen Beitrag für Umweltschutz

In einer Zeit der ökologischen Krise wird auch die Frage nach dem Umgang von Religion und Umwelt immer brisanter. Doch welchen Beitrag kann und soll Religion – hier: die islamische Theologie – überhaupt leisten? Spielt Umweltschutz im islamischen Denken überhaupt eine Rolle, oder wird seitens muslimischer Wissenschaftler_innen und Aktivist_innen green-washing an der Religion betrieben? Welchen Mehrwert kann mittels Rückgriff auf islamische Geistesgeschichte für die Gesamtgesellschaft erbracht werden? Wo verfehlt man durch die Vernachlässigung muslimischer Stimmen gar die Möglichkeit eines gemeinsamen Kampfes für Umweltschutz? Und wo liegen im hiesigen Sprechen über Umweltschutz diskriminierende Haltungen versteckt?

(D4) #Dialograumsein

Multiplikatoren- und Multiplikatorinnen-Schulungen im interreligiösen und interkulturellen Dialog in einem gruppendynamischen Konzept umgesetzt. Chancen und Grenzen aus den Erfahrungen aus drei Kursen.

(D5) Identitätsstiftung und Jugendkulturen - Religion / Sexualität / Partnerschaft

Rabeya Müller (Köln)

(D6) Brunnenprojekt

Pater Winfried Pauly (Bochum)

(D7) Multireligöse Feiern

Hulya Altun (Duisburg), Gabriele Eichwald-Wiesten (Bistum Essen), Dr. Detlef Schneider-Stengel (Bistum Essen)

(D8) Anerkennung der*des Anderen. Erfahrungen - Herausforderungen - Chancen

Kulturelles Abendprogramm

Montag, 6 Februar 2023 ab 19:30 Uhr

"Mehr als eine Heimat - Wie ich Deutschsein neu definiere"

von Ali Can

Was bedeutet es, deutsch zu sein? Die Zeit für eine Neudefinition ist reif, meint Ali Can, dessen Twitterkampagne #MeTwo im Sommer 2018 ein enormes Echo auslöste. Zehntausende Menschen mit Migrationshintergrund berichten seither unter dem Hashtag von ihren alltäglichen Erfahrungen mit Rassismus. Ständig wird ihnen vermittelt, sie seien nicht wirklich Deutsche und gehörten somit nicht dazu. Dabei betrachten sie Deutschland als ihre Heimat - und das so selbstverständlich, wie sie sich oft noch einer anderen Sprache und Kultur verbunden fühlen.

In seinem Buch beschreibt Ali Can den Hashtag und seine Folgen als Teil einer dringend gebotenen gesellschaftlichen Debatte. Indem er auf seine eigene Biographie blickt und eine Reihe bekannter Gesprächspartner befragt, kommt er zu dem Schluss: Heimat - das sind letztlich die Werte, die wir teilen. Und an einem offenen, konstruktiven Dialog über sie sollten alle teilnehmen können, die in diesem Land leben und seine Gesellschaft mitgestalten - ob mit oder ohne Migrationshintergrund.

 

Ali Can ist Sozialaktivist, Autor und Diversity-Trainer. Als Initiator der „Hotline für besorgte Bürger“ sowie des Hashtags #MeTwo ist er national wie international bekannt geworden. Anfang 2019 eröffnete in Essen das von ihm gegründete „VielRespektZentrum“ zum Empowerment von migrantischen Vereinen. Seit Januar 2022 betreibt er das Diversity Lab, ein Schulungszentrum für Diversity und Antirassismus. Für sein Engagement wurde Can mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Jugenddemokratiepreis.

Zielgruppe

Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Schulseelsorger*innen, Hauptberufliche und ehrenamtliche Multiplikator*innen in der Kinder- und
Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, OKJA, Jugendsozialarbeit, Jugendzentren und überall dort, wo Jugendarbeit aktiv gestaltet wird.
 

Kosten

Tagungsgebühr: 100 €
Tagungsgebühr ermäßigt (z. B. Studierende, FSJ, BFD): 50 €
Übernachtungspauschale: 50 €

* Für Mitarbeitende des Bistums Essen ist es nicht erforderlich einen separaten Antrag auf Fortbildung in der Abteilung Ausbildung und Qualifizierung zu stellen. Mit der Anmeldung zur Fachtagung erfolgt die Teilnahmegenehmigung automatisch. Eine schriftliche Entsendeverfügung zur Fortbildungsmaßnahme wird erteilt und die Kosten werden zentral übernommen. Gemeindereferent*innen, Pastoralreferent*innen und Diakone erhalten für die Fachtagung Credit Points. 

 

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Veranstalter

Dr. Detlef Schneider-Stengel, Referat Interreligiöser Dialog

Gabriele Eichwald-Wiesten, Dezernat Schule / Hochschule

Ann-Christin Körner, Marie Krücke, Katarzyna Paczyńska-Werner,  Bischöfliche Fachstelle Kinder, Jugend und Junge Erwachsene

Die Fachtagung wird gefördert vom: